Adventszeit mit Haustier: hier lauern Gefahren

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Adventszeit mit Haustier

Die Vorfreude auf Weihnachten nimmt nun stetig zu, die Außentemperaturen fallen zusehends und das Heim wird geschmückt. Doch nicht jede Deko eignet sich für einen Tierhaushalt. Damit eurem befellten Mitbewohner nichts passiert, hier einige nützliche Tipps und Warnungen für die Adventszeit mit Haustier.

Lecker für den Menschen, gefährlich für das Tier

Auch wenn mancher Hinweis dem ein oder anderen Leser unwahrscheinlich oder gar abstrus vorkommt – als Tierarzt kennt man die nachfolgend beschriebenen Unfälle gerade aus der Advent- und Weihnachtszeit. Eine der größten Gefahren in der gesamten Weihnachtszeit geht von einer weit verbreiteten Süßigkeit aus – der Schokolade. Sie beinhaltet den Wirkstoff Theobromin, der im Körper eines Hundes nur äußerst langsam abgebaut wird. Grob gesagt ist in dunkler Schokolade mehr Wirkstoff enthalten als in heller Schokolade. Es kommt bei der sogenannten Schokoladen-Vergiftung zu einem massiven Anstieg der Herzfrequenz, der neben einem Krampfgeschehen auch tödlich enden kann. Bei geringer Theobromin-Dosis zeigen die Patienten hingegen meist Erbrechen und/oder Durchfall.

Das Gegenmittel der Wahl ist das medikamentös induzierte Erbrechen möglichst kurz (maximal 4 Stunden) nach der Aufnahme und gegebenenfalls die anschließende Eingabe von Aktivkohle, um den Wirkstoff im Darm zu binden bevor er ins Blut gelangt. Die Gefahr kann sich darüber hinaus noch deutlich erhöhen, wenn der Patient alkoholhaltige Schoko-Pralinen o.ä. aufnimmt und so der Abbau in der Leber noch erheblich verlangsamt wird.

Auf vielen Tischen und auch Tellern finden sich diverse Nusssorten – einige davon sind in Maßen verträglich für den Hundeorganismus. Dazu zählen zum Beispiel Walnüsse oder Haselnüsse.
Gesundheitsschädlich hingegen können u.a. Macadamianüsse, Muskatnuß, Paranüsse oder auch Bittermandeln sein. Darüber hinaus können sich Hunde beim Versuch eine Paranuss mit den Zähnen zu öffnen schnell eine schmerzhafte Zahnfraktur zuziehen – ganz zu schweigen von scharfkantigen Schalenstücken die geschluckt eine Gefahr für Magen und Darm darstellen. Ein Aufstellen der Nüsse außerhalb der Reichweite von Tieren geht nicht selten schief, da die Motivation doch irgendwie ranzukommen regelrechte Berge versetzen kann.

Advent, Advent das Haustier brennt

WachsunfallIn vielen Wohnungen werden während der Adventszeit Kerzen abgebrannt – in den Meisten zumindest vier Stück im Adventskranz. Der verflüssigte Wachs, der dabei entsteht, stellt eine weithin unterschätzte Gefahr für Hunde und Katzen dar. Katzen verbrennen sich häufig an Flamme und Wachs wenn sie unachtsam über Tische und Kommoden schlendern.
Bei Hunden sehen wir derartige Verbrennungen eher bei Tieren, die unterhalb einer Kerze geruht haben. Hier kommt es bei meist schrägen Kerzen zum seitlich schwallartigen Ausfluss des Heißwachses. Jede Art von Verbrennung ist dabei sehr schmerzhaft für das Tier und sollte unbedingt verhindert werden. Auch wenn LED-Kerzen weder Wärme abgeben, noch nach Wachs riechen, sind sie daher dennoch eine deutlich sicherere Alternative in der Adventszeit mit Haustier.

Giftige Pflanzen

In der Adventszeit gern genutzte Dekopflanzen sind neben dem exotischen Weihnachtsstern auch beispielsweise die heimische Mistel oder die Amaryllis. Alle drei Pflanzen sind für Hunde und Katzen giftig. Dabei variieren die enthaltenen Gifte und deren Wirkungen sehr stark. Die Symptome bei Aufnahme von Weihnachtsstern reichen von Lähmungen über Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu tödlichen Krämpfen.
Giftige Zweige der Mistel können ebenso zu Magen-Darm-Symptomen wie auch Muskelzucken und letztendlich zum Tode führen. Gerade bei Jungtieren, die ja bekannterweise sehr neugierig sind, sollte auf entsprechende Pflanzen oder selbst deren Teile verzichtet werden.

Es glitzert, es ist schön und es ist giftig

Lametta am Baum ist heutzutage aus Gründen des Umweltschutzes gottseidank beinahe immer frei von Blei. Dieser Schmuck ist dennoch extrem interessant für Katzen da er erstens glitzert und sich zweitens im Luftstrom bewegt und dadurch den Jagdinstinkt weckt. Abgeschluckte Lametta-Fäden erscheinen zwar dünn und daher ungefährlich – das Gegenteil ist jedoch der Fall!
Ein solch fadenförmiger Magen-Darm-Fremdkörper führt in der Regel ohne operativen Eingriff zum kurzfristigen Darmverschluss mit anschließendem Riss des Darms. In einem solchen Ernstfall ist die Prognose mehr als vorsichtig einzuschätzen.

Vorsicht heiß!

Von gemeinsamen Familienessen mit beispielsweise Fondue oder Raclette geht ebenfalls eine enorme Gefahr für Haustiere aus. Wir wissen alle wie Tiere häufig auf leckere Gerüche reagieren. Auf dem Weg zum Ziel bietet sich jedoch so manche Gefahr – bis zu 180 Grad heißes Fonduefett oder die hocherhitzte Platte eines Racletteofens. Das sind Verbrennungen schneller passiert als gedacht. Daher sollte man bei Fondue oder Raclette, sowie ähnlich heißen Speisen auf Haustiere aller Art im gleichen Raum verzichten.

Viele dieser Gefahrenquellen sind zwar weithin bekannt, dennoch kommt es alljährlich zu Verletzungen und gar Todesfällen in der Adventszeit mit Haustier durch oben Beschriebenes. Daher bitte ein ganz besonderes Augenmerk bei der Auswahl der (vor)weihnachtlichen Dekoration.

Ich wünsche dir und deinen Lieben (egal ob mit oder ohne Fell) eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit. Bleibt gesund und passt auf Euch auf.


Sebastian Goßmann-JonigkeitTierarzt Sebastian Goßmann-Jonigkeit ist seit 2012 praktizierender Tierarzt für Kleintiere in Engelskirchen bei Köln. Dort leitet er die Praxis gemeinsam mit seiner Frau. Sein Faible gilt der Zahnmedizin für Hunde und Katzen – daher fühlt er sich zwischen Dentalröntgen und Zahn-OP auch besonders wohl. In seiner Freizeit bloggt er auf Facebook und Instagram.


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